
10 Fragen / 10 Antworten
Warum brauchen wir eine Plakatkampagne für den Religionsunterricht?
Was spricht gegen Ethikunterricht?
Und was spricht für den Religionsunterricht?
Ist es nicht gut, dass der Staat neutrale Werte vermittelt?
Stimmt es überhaupt, dass Werte Gott brauchen?
Inwiefern?
Welche christlichen Werte und Lebensmaßstäbe sind das?
Aber ist die Aussage "Werte brauchen Gott" nicht zu provokant?
Warum starten die Ev. Kirchenkreise von Berlin diese Kampagne in Wahlkampfzeiten?
Was nützt das? Die Entscheidung ist doch längst gefallen?
| Warum brauchen wir eine Plakatkampagne für den Religions- unterricht? |
Am 23. März 2006 hat der Berliner Senat den Beschluss gefasst, Ethik als neues Pflichtschulfach einzuführen. Mit der Einführung dieses neuen Faches nimmt der Pflichtunterricht noch mehr Zeit in Anspruch. Faktisch bedeutet das eine Verdrängung des Religionsunterrichtes aus den Berliner Oberschulen. Wir müssen davon ausgehen, dass die Stundenpläne den Religionsunterricht kaum noch berücksichtigen und die zusätzliche zeitliche Belastung durch den Ethikunterricht die Schülerzahlen im Religionsunterricht beeinträchtigen wird. |
| Was spricht gegen Ethikunterricht? | Wir sind nicht gegen den Ethikunterricht. Wenn Eltern oder Kinder nicht am Religionsunterricht teilnehmen möchten und der Staat ihnen stattdessen eine "neutrale" Wertevermittlung anbietet, dann haben wir für dieses Anliegen durchaus Verständnis. Aber es ist uns wichtig, dass der Religionsunterricht als gleichberechtigtes Fach in eine Fächergruppe mit dem Ethikunterricht aufgenommen wird und Berliner Schüler und ihre Eltern frei zwischen Ethik- und Religionsunterricht wählen können. Wenn der Berliner Bildungspolitik die Toleranz wirklich so wichtig ist, sollten die Kirchen nicht um etwas Selbstverständliches kämpfen müssen: die Wahlfreiheit zwischen dem Ethik- und Religionsunterricht. |
| Und was spricht für den Religionsunterricht? | Der Religionsunterricht beschäftigt sich mit Grundfragen, die die Menschen schon immer bewegen: die Frage nach Gott, dem Sinn und Wert des Lebens und den Normen menschlichen Handelns. Biblische Überlieferung und die Tradition christlicher Praxis sind Orientierungshilfen zu ihrer Beantwortung. Dabei wird der Zusammenhang zwischen der Religion und der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler hergestellt. So fördert der Religionsunterricht die Schülerinnen und Schüler in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit und hilft ihnen, sich in unserer Welt besser zu orientieren. Der Religionsunterricht vermittelt ihnen dabei auch Wissen und Verständnis für nichtchristliche Religionen und Kulturen und hilft, gelebter Religion mit Respekt und Toleranz zu begegnen. |
| Ist es nicht gut, dass der Staat neutrale Werte vermittelt? |
Die Auswahl von Inhalten in einem Werte vermittelnden Fach ist nie neutral. Entscheidend sind überprüfbare und kontrollierte Kriterien, nach denen unterrichtet wird. Bei aller Wertevermittlung – sei es im Religionsunterricht oder in der Philosophie – müssen die Kriterien klar sein. Beim Religionsunterricht sind die Grundlagen und die Inhalte klar definiert und von allen nachzulesen. Eltern, Schülerinnen, Schüler und das Lehrpersonal können auf die Einhaltung der Kriterien pochen. |
| Stimmt es überhaupt, dass Werte Gott brauchen? | "Werte brauchen Gott" ist unsere Position als evangelische Christinnen und Christen. Selbstverständlich haben auch Anhänger anderer Religionen oder Atheisten Werte. Für Friedfertigkeit und Nächstenliebe beispielsweise kann man auch eintreten, ohne Christ zu sein. Die christlichen Werte haben aber Bedeutung für unsere gesamte Gesellschaft. |
| Inwiefern? | Sie haben unser geistiges und kulturelles Leben geprägt. Bewusst oder unbewusst: Wir handeln nach Prinzipien, die aus der Bibel und dem christlichen Glauben hergeleitet sind. Als Christinnen und Christen finden wir es deshalb wichtig, uns an der Bibel, ihren Botschaften und Bildern zu orientieren. Wir wollen Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, dort Lebensmaßstäbe zu finden. |
| Welche christlichen Werte und Lebensmaßstäbe sind das? | Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Toleranz und Achtung, Barmherzigkeit und Nächstenliebe, Frieden und Bewahrung der Schöpfung leiten sich aus der Bibel und den Worten Jesu ab. Die zehn Gebote sind bis heute aktuelle Hilfen für ein gelingendes Leben. Gebote wie "Du sollst nicht töten" haben auch heute noch Bestand. Sie sind die sittlichen Maßstäbe, an denen wir uns orientieren. Das christliche Gebot der Nächstenliebe "Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst" vermittelt Schülerinnen und Schülern die Verantwortung für ihren Nächsten, die Bedeutung von persönlicher Hilfsbereitschaft und die Sorge um das Wohlergehen ihrer Mitmenschen. Auch wenn wir aus der Bibel lernen, dass alle Menschen Gott ebenbildlich sind, hat das Folgen für den Umgang aller Menschen miteinander: es begründet die unantastbare Würde jedes Menschen – eine Würde, die nicht von Leistung oder seinem Erfolg abhängt. |
| Aber ist die Aussage "Werte brauchen Gott" nicht zu provokant? | Der Slogan "Werte brauchen Gott" ist provokant – und soll es auch sein. Mit diesem Slogan auf unseren Plakaten fordern wir Eltern, Lehrkräfte, Politikerinnen und Politiker auf, mit uns ins Gespräch zu kommen: Darüber, welche Werte für Schülerinnen und Schüler wichtig sind, woher sie kommen und wie sie am besten vermittelt werden können. Das Gespräch führen wir unter anderem im Forum (Dokumentation) . |
| Warum starten die Ev. Kirchenkreise von Berlin diese Kampagne in Wahlkampfzeiten? | Seit die Entscheidung für die Einführung des Ethikunterrichtes gefallen ist, haben Christinnen und Christen, Eltern und Kinder, Bildungsexperten und Bildungsexpertinnen vehement dagegen protestiert. Jetzt melden sich die Berliner Kirchenkreise zu Wort, um zu Beginn des neuen Schuljahres das Thema wieder aufzunehmen und erneut an die Öffentlichkeit zu bringen. Vor allem aber beginnt mit diesem neuen Schuljahre auch die Einführung des neuen Pflichtfaches Ethik an den Berliner Schulen. Wir müssen davon ausgehen, dass der Religionsunterricht dann in den Stundenplänen kaum noch berücksichtigt wird und die Schülerzahlen zurückgehen. Der Schuljahresbeginn wird zeigen, worauf der SPD-PDS Beschluss von Anfang an zielte: auf die Abschaffung des freiwilligen Religionsunterrichtes an den Berliner Schulen. Darauf wollen wir die Öffentlichkeit aufmerksam machen – und auch die Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl zum Abgeordnetenhaus! |
| Was nützt das? Die Entscheidung ist doch längst gefallen? | Wir denken bei dieser Kampagne nicht kurzfristig. In einer demokratischen Gesellschaft besteht die Möglichkeit, andere Meinungen zu vertreten und sich für ihre Umsetzung einzusetzen – auch wenn man dafür manchmal einen langen Atem braucht. Deshalb setzen wir auf ein dauerhaftes Engagement für den Religionsunterricht. Nicht nur die Mehrheitsverhältnisse, auch die Meinungen können sich ändern. Langfristig werden viele Faktoren eine Rolle spielen, ob sich das Modell eines Pflichtfaches zur Wertevermittlung in Berlin durchsetzt. Deshalb kämpfen wir auch weiterhin für eine gleichberechtigte Lösung: die Wahlmöglichkeit zwischen dem Ethik- und dem Religionsunterricht. |
Friederike von Kirchbach
Pröpstin der Ev. Kirche Berlin-
Brandenburg-
schlesische Oberlausitz
Werte brauchen Gott, …
… weil wir das, was uns wirklich wichtig ist, nicht aus uns selbst schöpfen können. Orientierung und wirklichen Halt finden wir nur an etwas, was mehr vermag als wir.
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